Herberge Demogratia in DAZ 4.10.2014

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oeff oeff
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Herberge Demogratia in DAZ 4.10.2014

#1 Beitragvon oeff oeff » Mi 8. Okt 2014, 19:37

Döbelner Allgemeine Zeitung (DAZ), Roßwein, 4.10.2014

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Wasser abgestellt:
Aussteiger auf dem Trockenen

Roßweiner erfährt Ablehnung und Hilfe bei geldlosem Leben


VON SEBASTIAN FINK

ROSSWEIN. Matthias Jürgens will sich auch von jüngsten Rückschlägen nicht von seiner Idee einer freien Gesellschaft – ausgelebt in seiner Herberge Demogratia in der Roßweiner Mühlstraße – abbringen lassen. So stellte ihm der Wasserverband Döbeln-Oschatz jüngst das Wasser ab, weil er sich weigerte, den Abschlagsbetrag von 60 Euro zu begleichen. Der Aussteiger Jürgens hatte dem Verbandschef Hans-Jürgen Gemkow angeboten, stattdessen auf Baustellen mitzuarbeiten oder Werbung für den Verband mit Musikauftritten zu machen. Gleichsam bot er Roßweins Bürgermeister Hilfe bei der Pflege von Grünflächen an, um Grundsteuer und Sanierungs-Ausgleichsbetrag nicht zahlen zu müssen. Auch das Stadtoberhaupt lehnte ab. Doch es gibt auch Unterstützer für den selbst ernannten "Terranier", der bald ins Fernsehen will.
"Um für die Allgemeinheit tätig zu sein, muss es für mich eine Grundversorgung geben. Und da gehört Wasser dazu", sagt Matthias Jürgens bestimmt. Seit gut einer Woche muss er ohne Leitungswasser auskommen. Weil er ohne Geld leben möchte, besitzt er auch keines, so dass er die Rechnung des Wasserverbandes gar nicht zahlen könne. Stattdessen wolle er seine Arbeitskraft anbieten. "Ich biete kostenlose Werbung als Gegenleistung an, könnte bei Auftritten mit der Gitarre in Kitas und Schulen für den Verband werben. Oder direkt für ihn arbeiten", sagt er.
Dafür drückte er Hans-Jürgen Gemkow sein Antragsschreiben sogar nach Büroschluss persönlich in die Hand. Der ist wenig begeistert. "Wasserträger brauchen wir nicht, Kompetenz für unsere Anlagen hat er nicht und im Rohrgraben können wir ihn nicht arbeiten lassen. Wenn ihm ein Stein auf den Fuß fällt, sind wir dafür haftbar", sagt Gemkow im Gespräch mit der DAZ. "Außerdem müssen wir gleichbehandlerisch bleiben, sonst kann ja jeder kommen und sagen, Herr Verbandsvorsitzender, ich komme Fenster putzen, dafür zahle ich meine Wasserrechnung nicht."
Ähnlich argumentiert Veit Lindner. "Uns geht es wie jeder Solidargemeinschaft. Mit den Steuereinnahmen müssen wir Kitas, Straßen und Bäder finanzieren. Das können wir mit freiwilliger Arbeit nicht", erklärt er, auch wenn Jürgens' Hilfe beim Bauhof sicher gut gebraucht werden könnte.
Der gesellschaftliche Aussteiger, der die Herberge Demogratia als Stiftungssitz seines Bündnisses Freie Erde (Terrania) seit Mai bewohnt, sieht andere Hintergründe. "Ich glaube, dass man sich scheut, meine Leistungen in Anspruch zu nehmen. Ohne Bezahlung bleibt ein Gefühl der Verantwortung, das auch gewollt ist", meint er und will sich dennoch weiter im Zukunftsforum engagieren.
Um seine Sache bekannter zu machen, hat er sich zudem bei der geplanten Sat1-Reality-Show "Utopia" beworben – auch wenn der Sender damit letztlich nur das von ihm verschmähte Geld verdienen will. "Ich muss Öffentlichkeit gewinnen und dies dafür in Kauf nehmen", sagt Jürgens.
Hilfe bekommt er inzwischen von Nachbarn und Bekannten. Eine Frau, die nahe einer Trinkwasserquelle bei der Eisenbahnbrücke zwischen Roßwein und Gleisberg wohnt, will ihm zur Not das Wasser kanisterweise zukommen lassen. Eine Nachbarin hat ihm gegen Hilfe im Haushalt eine Wohnung für den Winter angeboten, falls die Heizung ebenfalls abgestellt wird. An der Herberge selbst will Jürgens erst weiterarbeiten, wenn er die Akzeptanz in der Stadt spüre. "Ich möchte da nicht allein Zeit und Arbeit investieren", sagt er und hofft auf weitere Helfer.

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